Nebenbei studieren – Harvard und Oxford für Alle

Online-Weiterbildung

Nebenbei studieren wird immer beliebter, viele junge und junggebliebene, aber auch ältere Personen, studieren nebenbei an Elite-Universitäten, in einigen Fällen sogar völlig kostenlos!

Das TV-Programm ist schlecht und im Kino kommt wieder nichts Interessantes: Warum nicht einfach mal einen Abend lang an einer international renommierten Elite-Universität studieren? Wie wäre es auf dem Weg zum Reichtum mit einer Vorlesung über maschinelles Lernen an der Stanford University? Oder doch lieber das Angebot „Die Schriften der Weltreligionen“ in Harvard? Oder womöglich eine Vorlesung zu „Sicherheit im Internet“ am renommierten Hasso-Plattner-Institut? Drei von vielen sogenannten Moocs, kostenlosen Univorlesungen.

Das Akronym Mooc (sprich „muhk“) steht für „Massive Open Online Course“ und bezeichnet zunächst einmal nicht mehr als eine Internetvorlesung. Einige der besten Universitäten der Welt lassen ihre Starprofessoren Onlinevorlesungen halten. Sie sind „massiv“, weil die Hörerzahlen jeder Veranstaltung in die Hunderttausenden gehen. Sie sind „offen“, weil jeder kostenlos an ihnen teilnehmen kann. Und sie sind „online“, weil sie die Kommunikation im Netz abwickeln.

Allerdings folgen sie dem zeitlichen Rhythmus althergebrachter Vorlesungen: Die jeweils neuen Kurse werden wöchentlich ins Netz gestellt, wobei Uhrzeit und Geschwindigkeit von jedem Studenten selbst festgelegt werden können. Die Netzvorlesungen werden häufig durch kleine Übungen unterbrochen.

Digitale Volkshochschule

Durch die Moocs ist eine Art digitale Volkshochschule de luxe entstanden, die zugleich keinerlei Bildungsdünkel hat. Denn das Angebot steht allen offen, gleich ob Abiturient oder nicht. Einzig gute Englischkenntnisse muss man in den meisten Fällen mitbringen, um den Vorlesungen folgen zu können.

Freilich geht es den Machern der Moocs nicht nur um gehobene Abendunterhaltung, nicht nur darum, Zaungästen Einblicke in sündhaft teure Privatunis zu gewähren. Es geht um eine Vision: „Vielleicht lebt der nächste Albert Einstein oder der nächste Steve Jobs irgendwo in einem entlegenen afrikanischen Dorf“, sagte Daphne Koller, Gründerin der Plattform Coursera, einem der größten Anbieter von Moocs, auf der Konferenz TED Global.

Statt das Wissen nur einem ausgewählten, gut betuchten Zirkel von Studenten zugänglich zu machen, so das Versprechen, können alle davon profitieren. Als erster echter Mooc gilt eine Veranstaltung von George Siemens und Stephen Downes an der University of Manitoba im Jahr 2008. An ihr nahmen 2300 Studenten teil. Die Welle brauchte nur wenige Monate, bis sie die ersten deutschen Hörsäle erreichte. In München, Potsdam, Tübingen und Lüneburg wurden die ersten Moocs produziert.

Einführungsveranstaltungen sind unverbindlich

Den Durchbruch zur Massenveranstaltung schaffte Sebastian Thrun. Seine Onlinevorlesung mit dem Thema „Einführung in die künstliche Intelligenz“ mobilisierte 160.000 Hörer. Der Erfolg überwältigte ihn. Thrun gründete daraufhin die kommerzielle Online-Universität Udacity. Was als Sofa-Universität in Thruns Wohnzimmer begann, ist nach einem Jahr bereits ein mittelständischer Bildungsanbieter.

Kurz nach ihm gründeten zwei Professorenkollegen aus Stanford die Plattform Coursera, die mit 15 Millionen Einschreibungen inzwischen größte Netzuniversität, die zudem von Rick Levin, einem ehemaligen Yale-Präsidenten, geleitet wird. Harvard und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) legten mit dem gemeinnützigen Konsortium Edx nach. „Da bahnt sich ein Tsunami an“, kommentierte John Hennessy, der Rektor der Stanford University, die Entwicklung.

Inzwischen sind die Netzhochschulen zu eigenen Unternehmen herangereift. Angeboten werden meist Einführungsveranstaltungen. Auch die Anerkennung der Onlinevorlesungen als Studienleistung ist nach wie vor schwierig – und ist, anders als die Teilnahme an der Vorlesung selbst, kostenpflichtig.

Aber schon denken einige Anbieter von Moocs über neue Geschäftsmodelle nach: Die Onlineunis könnten etwa lukrativere Märkte für Lehrbücher erschließen. Einige bieten bereits kostenpflichtige Zusatzangebote wie eine Betreuung durch Tutoren an, andere wollen ihre Onlinevorlesungen an andere Hochschulen verkaufen.

Beim Studium im Internet geben die Teilnehmer außerdem wertvolle Daten preis: Wie schnell lernen sie? Was lesen sie aus den Lehrmaterialien? Udacity empfiehlt schon die besten Absolventen an Arbeitgeber weiter. Auch Daphne Koller denkt offen über ein solches Geschäftsmodell nach: „Der Preis dafür ist der Verkauf der Daten von Lernenden an die Wirtschaft.“

Die Folge für die Universität wäre ein noch engeres Bündnis mit den Bildungskonzernen. Als weiteres Manko der Onlinevorlesungen könnte sich die größere Distanz zwischen Lehrenden und Studierenden erweisen: „Die Spannung zwischen Mensch und Bildschirm ist bei Moocs groß“, sagt Christoph Meinel, Rektor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Meinel sieht darin eine Herausforderung.

Zusatzgeschäft für Spitzenuniversitäten

Mit der Plattform Open HPI gehört die kleine Privathochschule zu den Pionieren der Onlinevorlesungen in Deutschland. „Der Beginn eines Moocs fühlt sich für Professoren ganz anders an als der Beginn einer konventionellen Vorlesung“, sagt Meinel, der gerade seine eigenen Onlinevorlesungen zu den Technologien des Internets begonnen hat.

Das Feedback der Studenten kann er nicht schon während der Vorlesung in den Gesichtern ablesen, sondern entnimmt sie erst hinterher öffentlichen Onlineforen. Meinel sagt: „In den Foren sorgt allein schon die schiere Masse der Teilnehmer dafür, dass ständig etwas passiert. Schon nach fünf Minuten wird im Onlineforum der nächste Aspekt besprochen, da kann ich nicht einfach abschalten.“

Es ist keine Überraschung, dass eine Wissensgesellschaft freies Wissen hoher Qualität begierig aufsaugt. Moocs sind dabei für Spitzenuniversitäten nicht die Alternative zu ihrem elitären Konzept, sondern ein Zusatzgeschäft. Auch das Hasso-Plattner-Institut denkt nicht daran, die Präsenzlehre für wenige zugunsten der Massen im Netz aufzugeben.

Lehrreich auch für die Lehrenden

„Für uns sind Moocs ein vom Regelbetrieb unabhängiges Angebot, das auf eine andere Klientel, etwa voll Berufstätige, zielt“, sagt Meinel. Schließlich müsse man in vielen anspruchsvollen Jobs beständig weiterlernen, um auf Höhe des Wissens zu bleiben. „Zumeist haben Menschen mit derartigen Berufen allerdings keine Zeit für Unibesuche“, gibt der Hochschulleiter zu bedenken.

Viele der Teilnehmer am Onlineangebot des Hasso-Plattner-Instituts sind denn auch hoch qualifizierte Akademiker, ein Viertel davon Führungskräfte. „Derart gute Studenten können durchaus auch lehrreich für die Lehrenden sein“, sagt Meinel, denn: „Womöglich weiß mancher aus dem Netz besser Bescheid als der Professor.“

Copyright: haz.de & Jakob Vicari

 

Und vergiss bitte nicht:

AUCH DU KANNST nebenbei studieren und mit deinem wissen REICH WERDEN!